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Utopie oder bald Realität? Ein freies, kreatives Leben, nie mehr monotone Tätigkeiten, und Geld brauchen wir auch nicht mehr?

Zukunftsforscher Rohit Talwar sieht in einer zunehmend technologisierten Welt mehr Chancen als Nachteile. Vor allem das Tauschen ermögliche ein freieres, kreativeres Leben.

„Die Zukunft gehört denen, die sich heute darauf vorbereiten.“ Das Zitat von Malcolm X bringt auf den Punkt, was Zukunftsforscher Rohit Talwar motiviert. Der in London ansässige Gründer des Think Tanks „Fast Future Research“ berät internationale Firmen und Organisationen, wie sie sinnvoll künftige Herausforderungen antizipieren und vielleicht sogar davon profitieren können, und wie wir in Zukunft leben und arbeiten werden. Er war daher der passende Redner für das Eröffnungswochenende des USM WorkHouse.

Anders als viele Skeptiker, die vor der Übernahme unserer Jobs durch künstliche Intelligenz warnen und eine Ära des Nationalismus und der Intoleranz heraufziehen sehen, sieht Talwar die nächsten Jahrzehnte optimistisch. Das mag aber auch an seiner menschenfreundlichen Art liegen. „Das Internet verändert grundsätzlich die Sicht auf unser Leben und unsere Einstellung zur Arbeit. Viele Menschen machen sich heute mehr Gedanken über den Sinn ihres Lebens. Sie wollen etwas verändern und mit dem, was sie können, etwas zur Gesellschaft beitragen. Das bedeutet, sie fordern mehr von ihren Arbeitgebern und mehr von sich selbst.“

Auch die neuen Technologien könnten neuen Wohlstand bringen, glaubt Talwar, schränkt aber gleichzeitig ein, dass das nicht für alle Menschen gleichermaßen gelte. „Das Internet schenkt uns kostenlose Vertriebswege, Vertical Farming versorgt uns mit kostenloser Nahrung, die synthetische Biologie könnte alle möglichen neuen Materialien entwickeln, die unsere Umwelt reinigen. Und künstliche Intelligenz befreit uns von monotonen Routineaufgaben, sodass wir uns höheren Aufgaben widmen und unserer Kreativität freien Lauf lassen können.“

Entscheidend dafür, dass diese Utopie wahr wird, ist jedoch die Unabhängigkeit von Geld. Mit digitalen Zahlungsmitteln wie Bitcoin werde das jedoch immer wahrscheinlicher, erklärt Talwar. „Wir bewegen uns hin zu Ökosystemen, in denen nicht nur Geld den Zugang zu Werten oder Dienstleistungen ermöglicht. Ich kann über Creditpoints, die ich beispielsweise mit dem Streichen einer Garagentür verdient habe, bald auch Lebensmittel im örtlichen Supermarkt kaufen.“ In diesem Szenario würden wir sogar als Gemeinschaft mehr zusammenwachsen, weil Geld über andere Wege verteilt werde und es weniger gebe, über das man streiten müsse.

Das ist eine bemerkenswerte Perspektive für einen Zukunftsforscher. Denn diese neue digitale Welt sieht im Grunde ganz ähnlich aus wie die Tauschwirtschaft in traditionellen Stammesgesellschaften. Nur eben mit künstlicher Intelligenz und Internet.