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PlayLab 1 - Ein Raum voller Möglichkeiten

Ein Raum voller Möglichkeiten 

An sich war das erste PlayLab eine Art Versuchsballon – wie würden die Teilnehmer auf einen spielerischen Ansatz beim Erforschen von Zukunftsvisionen von Leben und Arbeit reagieren?

Kurzum: sehr gut.

Als tellart – ein Team von Forschern, Erfindern und Storytelling-Experten, das im Grenzbereich von Design und neuer Technologie arbeitet – von UN Studio und USM damit beauftragte wurde, ein Konzept für drei Workshops zu entwickeln, wollten wir vor allem, dass Chefstrategin Maia Garau ein spielerisches Umfeld entwirft. Deshalb fanden im USM WorkHouse auch keine Workshops, sondern PlayLabs statt. „Wir wollten, dass sich die Teilnehmer zum Spielen eingeladen fühlen und von ihrer Umgebung anregen lassen. Gleichzeitig wollten wir eine Art gesellschaftliches Experiment sein,“ sagt Garau.

Ohne alles vorwegzunehmen, können wir folgendes sagen: Trotz des einheitlichen Ansatzes der drei PlayLabs (nämlich in bunt gemischten, internationalen Gruppen die Arbeitsmodelle der Zukunft zu erforschen) waren die Ergebnisse in jeder Gruppe aufgrund der verschiedenen Backgrounds doch sehr unterschiedlich.

Dennoch hatten die drei PlayLabs eins gemeinsam: Sie sahen einen baldigen Wertewandel voraus. Den PlayLab-Teilnehmern zufolge wird Arbeit in Zukunft nicht mehr an Profit und Löhne gekoppelt sein. Stattdessen wird sie mit dem Gemeinwohl in Verbindung stehen. Idealerweise.

Mit genau diesem Thema hat sich das erste PlayLab beschäftigt: Welche Alternativen zu Geld gibt es, um Arbeit zu entlohnen? Derzeit ist es so, dass wir je nach dem, was unsere Kompetenzen sind, mehr oder weniger für unsere Arbeitsstunden bekommen. Die Gruppe von Designern und Architekten fragte sich deshalb, ob es eine neue Art von Werteaustausch geben wird. Sie spekulierten darüber, wie sich Arbeit miteinander tauschen lässt – ob man z.B. eine Webseite gestalten und im Gegenzug das Haus gestrichen bekommen könne. Also ein Kompetenzaustausch für eine sinnstiftende Gemeinschaft. Oder falls Geld weiterhin ein Thema sein sollte – dann in Form von Kryptowährung. Mit digitalem Geld kann man seine Gewinne sehr viel genauer innerhalb einer bestimmten Gemeinschaft verteilen.

Wem diese Ergebnisse nicht spielerisch genug sind, wird sich bestimmt von den im Laufe der PlayLabs entwickelten Methoden überzeugen lassen: Abgesehen von vielen Ping-Pong-Turnieren, wurde die Gruppe etwa aufgefordert, Bilder von Alltagsszenen aus der ganzen Welt als visuelle Impulse zu betrachten: Menschen, die in Shanghai die Straße überqueren; Coworking-Spaces in Hongkong; Leute, die auf dem Markt in Marrakesch einkaufen und nebenbei ihre Handys checken. Die Teilnehmer wurden gebeten, sich diese Situationen in 20 Jahren vorzustellen, indem sie Sachen wie Fahrzeuge, Kleidung und Gadgets hinzufügen oder wegnehmen und sich neue Jobs für die Zukunftsszenarien ausdenken.

Interessanterweise erwartete das erste PlayLab, dass die Arbeitsplätze der Zukunft im Freien sind, in der Natur. Das könnte etwas mit der Umgebung des USM WorkHouse zu tun haben – ein abgelegener Ort in Brandenburg mit einer riesigen Rasenfläche, einem kleinen Fluss und friedlicher Atmosphäre. Genauso waren auch die Orte gelegen, die sich die Teilnehmer vorgestellt haben – in Feldern und Wäldern, die wiederum von neuen Technologien durchdrungen werden.

Teilnehmer Chris Glass vom Soho House hat das Gesamtergebnis dieses ersten PlayLabs am besten zusammengefasst: „Was ich mitnehme, ist, dass man die Zukunft wirklich als Raum der Möglichkeiten sehen muss, statt als etwas Angsteinflößendes oder möglicherweise Gefährliches.“