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Pflege das Kind in Dir


Jakob Liesenfeld, Design Manager bei Lego, glaubt nicht, dass new Technology die Lösung für alles ist. Er glaubt, persönliche Netzwerke und Empathie werden die Zukunft der Arbeit bestimmen.

„Bleibt in Verbindung mit Eurem inneren Kind und verbringt so viel Zeit wie möglich mit spielen“, rät Jakob Liesenfeld zwischen zwei Workshops. Das sagt der Designer aber nicht nur, weil er seit acht Jahren als Creative Lead und Design Manager bei Lego arbeitet. Für ihn ist spielen eine wichtige Quelle der Kreativität und des Lernens. „Wenn man Kindern beim Spielen zusieht, merkt man, dass sie nicht müde werden. Man muss sie nicht zum Lernen zwingen. Sie haben einfach Spaß daran! Wir Erwachsene haben das mit den Jahren verlernt.“

Aufgeladen mit frischen Ideen und trotzdem entspannt und klar, sitzt der 35-Jährige am Abschlussabend des zweiten PlayLabs in der Küche des USM WorkHouses – eine zeitgemäße goldene Mykita-Brille auf der Nase. Designer eben, klar. Spielerisch bleiben, Menschlichkeit bewahren, Empathie und persönliche Verbindungen pflegen. Diese Werte werden in Zukunft immer wichtiger werden, glaubt Liesenfeld. Gerade auf einem Arbeitsmarkt, der mit AI und Industrie 4.0 immer weniger Jobs für Menschen bieten wird – auch für Kreative wie ihn. „Es gibt den Hang, die Zukunft vor allem technologisch zu sehen. Das ist die amerikanische, greifbare Sicht. Als wäre new Technology die Lösung für alles. Das sehe ich anders, obwohl ich ein großer Sci-Fi-Fan bin.“

Diese Wertschätzung des Persönlichen hat Liesenfeld 2009 nach dem Kommunikationsdesign-Studium an der FH Darmstadt auch zu Lego gebracht. Damals war die dänische Firma gerade dabei, ihre bisher eher neutralen Spielfigürchen zu individuellen Persönlichkeiten weiterzuentwickeln. Die sogenannten „blind packs“ kamen dabei raus. „Ich dachte: Wow, jetzt hat Lego endlich kapiert, dass sie ein wirklich tolles Character Design haben. Alles, was eine Simpson-Figur sein kann, kann genauso gut eine Legofigur sein.“

Im goldenen Zeitalter von Lego fing Liesenfeld als einer von zwei Ausländern in seinem Team an, stieg schnell ins Design-Management auf und war die letzten Jahre als Creative Lead im Lego Star-Wars-Project involviert. „Sich beruflich gleich mit zwei meiner Kindheitsfantasie- und Fanwelten zu beschäftigen, während die Star-Wars-Filme ein weltweites Revival erleben, war eine fantastische Fügung“, erzählt Liesenfeld begeistert.

Als Design Manager hat er selbst festgestellt, wie schwierig es ist, die besten Talente zu dem Zeitpunkt zu finden, zu dem man sie braucht: „Theoretisch hat man über die digitalen Berufsnetzwerke Zugriff auf alle Kreativen dieser Welt. Aber ob sie dann wirklich genau das können, was man braucht, weiß man nicht. Trotz der millionenfachen digitalen Kontakte werden persönliche Verbindungen daher immer wichtiger.“

Das sehe man auch am USM PlayLab: Sich mit kreativen Menschen aus verschiedenen Disziplinen über die Zukunft der Arbeit auszutauschen. Und das in einem spielerischen Rahmen. Das verbindet. Jetzt geht es mit ein paar PlayLab-Kollegen an den See, eine Runde schwimmen. Wer weiß, welche Idee das an die Oberfläche treibt.