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Mit Pingpong und Kreativität die Zukunft erforschen

 

Großer Andrang und unerwartete Antworten auf komplexe Fragen: Das Eröffnungswochenende des USM WorkHouse in Biesenthal war ein voller Erfolg.

An einem sonnigen Juniwochenende in einer ehemaligen Mühle bei Berlin: Während draußen junge Architekten und Designer Pingpong spielen, rauchen in der alten Scheune die Köpfe. Rohit Talwar, britischer Zukunftsforscher, Unternehmer und Gründer des Think Tanks „Fast Future Research“ spricht vor etwa 200 geladenen Gästen über die Zukunft des Arbeitens. Welche neuen Jobs entstehen durch den verstärkten Einsatz künstlicher Intelligenz? Wie können wir Organisationen und unsere Umwelt so gestalten, dass die Zukunft ein Paradies und keine Hölle wird? Was ermutigt Frauen, in die Selbstständigkeit zu gehen? Anthropologen, Start-up-Gründer, Philosophen, Designer, Architekten und Fotografen – alle sind an diesem Eröffnungswochenende eingeladen, mitzudiskutieren.

Das war unsere Idealvorstellung: Die idyllisch gelegene Wehrmühle in Biesenthal bei Berlin mit ihrer historischen Fassade und dem lässig modernen Betonanbau sollte ein Ort des lebendigen Austauschs werden. Von 1. Juni bis 15. Juli 2018 haben wir hier unser „WorkHouse“ Realität werden lassen. Gemeinsam mit UN Studio entstand aus den bekannten Elementen des USM Möbelbausystems eine begehbare Installation. Ein ungewöhnlicher Raum zum Denken, Spielen, Experimentieren, Klettern – und natürlich auch zum Arbeiten.

Das Eröffnungswochenende war der Startschuss für drei so genannte PlayLabs – einer Mischung aus spielerischem Workshop und Laboratorium – in denen in den nachfolgenden Wochen Experten verschiedener Disziplinen erkunden, was die Zukunft der Arbeit für uns bereithalten könnte.

Was, wenn Maschinen in Zukunft sogar die kreative Arbeit übernähmen? Im Obergeschoss des USM WorkHouse zeigt die Kunstinstallation „Human Traits“ des Künstlers Patrick Tresset, wie das aussähe. Wer auf dem Holzstuhl am Fenster Platz nimmt, ist umringt von drei Robotern auf alten Zeichentischen. Drei Kameras beäugen das Modell, drei mit Kugelschreibern ausgestattete Greifarme warten auf ihren Einsatz. Auf das Los des Assistenten beginnen die Roboter exzessiv zu zeichnen. Das Porträt eines Menschen entsteht – aus drei Perspektiven, gesteuert von drei Computern. Der Mensch wird zum Statisten, Objekt statt Subjekt, während die Roboter ihre schöpferische Kraft entfalten.

Nebenan im Wohnzimmer lässt Change-Beraterin Lydia Schültken die Gäste ihre sogenannten #workhacks testen. Minimalinvasive aus Design Thinking entwickelte Methoden, die die Zusammenarbeit im Team erleichtern sollen. Vor allem der „beschwerdefreie Montag“ kommt gut an. Destruktive Büronörgler sind dabei gezwungen, sich wenigstens einen Tag in der Woche auf konstruktive Zusammenarbeit und eine „Can-do“-Mentalität einzulassen.

In der Scheune hat derweil Robert Rowland Smith das Wort. Der britische Philosoph fragt, was den Leerraum füllt, wenn Arbeit nicht länger unser Leben bestimmt. Draußen, auf der Wiese hinter dem USM WorkHouse, kann man die Antwort darauf schon erahnen: Acht junge Menschen laufen im Abendlicht um eine Tischtennisplatte und spielen Pingpong. Es scheint Spaß zu machen.