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Changing Frameworks

Changing Frameworks

Neue Rahmenbedingungen als Gemeinschaftswerk

Aus einer abstrakten Idee wurden begehbare Räume: USM und UN Studio haben einen Dialog über die Zukunft des Arbeitens angestoßen. Wir stellen die Köpfe dahinter vor: Thomas Dienes und Alice Haugh. 

Auf der einen Seite ein Klassiker, ein modulares System, das seit über 50 Jahren gerade deshalb Erfolg hat, weil es sich perfekt allen (Wohn- und Arbeits-) Situationen anpasst: USM Möbelbausysteme. Auf der anderen Seite ein Netzwerk von Menschen, die sich mit progressiver Architektur beschäftigen, weit über Häuserbau hinaus, die Zukunft im Blick: UN Studio. Und ein gemeinsamer Wunsch: zusammen etwas gestalten.

Thomas Dienes, Leiter der Produktentwicklung bei USM, und Alice Haugh, Futuristin bei der Abteilung UN Studio Futures, haben viel Zeit miteinander verbracht im vergangenen Jahr. Zusammenzuarbeiten und gemeinsam etwas zu kreieren, schweißt auch auf persönlicher Ebene zusammen: Beide strahlen ein respektvolles und freundschaftliches Miteinander aus. Vor allem lachen sie viel. Auch, als sie die Auseinandersetzungen bei der Umsetzung erwähnen: „Wir hatten durchaus Kämpfe, aber im positiven Sinn. Dadurch, dass UN Studio und USM Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten, gab es Reibungen. Aber nur, weil wir gemeinsam eine gute Lösung finden wollten“, sagt Dienes. Haugh erinnert sich: „Konkret ging es um ein paar wirklich verrückte Ideen beziehungsweise um deren Rechtfertigung. Beispielsweise um unsere Idee, schwebende Räume zu gestalten.“

Aber der Reihe nach: Wie haben sich USM und UN Studio eigentlich gefunden? Wie kam es zu der Zusammenarbeit, die nicht nur den preisgekrönten Messeauftritt auf dem Salone del Mobile in Mailand, sondern auch das WorkHouse hervorgebracht hat?

Wie bei allen guten Partnerschaften: Am Anfang stand eine Feier und ein gutes Glas Wein. UN Studio hatte im Sommer 2017 einen Wettbewerb gewonnen und anschließend im Berliner USM Showroom darauf angestoßen. Das Zwischenmenschliche stimmte und die Faszination für die Arbeit des jeweils anderen auch. Aus „Wir sollten etwas zusammen machen“ wurde schnell ein „Wir werden etwas zusammen machen“.

Was fehlte, war zunächst eine Idee – doch Dienes lieferte sie nach: „Das modulare Möbelbausystem von USM gibt es seit über 50 Jahren, ursprünglich entwickelt, um Papier zu verstauen. Aber die Welt verändert sich. Und es ist uns sehr bewusst, dass wir über die Zukunft nachdenken müssen. Das war die Ausgangsbasis.“

Beide Unternehmen tragen eine Verantwortung für die Zukunft, weil sie unsere Umgebung gestalten, das sieht auch Haugh so: „Wir wollten einen tieferen Einblick in die Bedürfnisse haben, mit möglichst vielen Menschen kommunizieren und eine gemeinsame Vision entwickeln.“

Diese doch recht abstrakte Idee, die – so Dienes – enthusiastisch verfolgt wurde, musste aber auch konkretisiert werden. Das ist gelungen: Zunächst entstanden auf der Mailänder Möbelmesse, dann im WorkHouse in Biesenthal begehbare Räume. Die typischen, mit Kugeln verbundenen Stahlkonstruktionen von USM wurden Träger dieser Räume. Anders gesagt: ein Möbelstück, das selbst zum Raum wird. Andere Texturen ziehen ein, Vorhangstoffe, Polster, eine ganze Treppe entsteht: offene Räume. In Haughs Worten: „Wir haben Orte geschaffen, die mit uns kommunizieren und in denen wir kommunizieren können.“

Mit offenen Räumen und gemeinsam mit Designern und Architekten einen ergebnisoffenen Dialog anzustoßen, war die Idee. Das ist gelungen und stellt den Beginn einer gemeinsamen Reise dar.